Bernds Geschichten

"Bernds Geschichten werden vom Leben geschrieben"

Otto

(veröffentlicht in der Anekdotensammlung von Karin Bach)

Otto war ein „Hoasebauer“ (Hasenbauer). „Hoasebauer“, so wurden Kleinbauern damals in den 1970er Jahren in unserem Vogelsbergdorf genannt. Neben dem täglichen Auskommen in der nahen Papierfabrik, betrieben viele Arbeitnehmer am Abend noch etwas Landwirtschaft. Diese bestand oft aus einer Kaninchenzucht, einigen Hühnern, Enten und Gänsen, sowie zwei oder drei „Wuzze“ (Mastschweine) im Stall. War der Betrieb schon etwas größer, nannte man auch noch zwei oder drei Kühe sein Eigen. Diese Betriebe waren dann schon Kleinbauernbetriebe. Otto aber war ein echter „Hoasebauer“, ganz ohne Kühe.

„Bombenalarm“ – Eine ganz normale Begebenheit am Arbeitsplatz

(veröffentlicht in der Anekdotensammlung von Karin Bach)

Geschichten aus dem täglichen Arbeitsleben sind meist nicht sehr aufregend. Je nach Art des Gewerbes sind die Arbeitsabläufe heute so gestaffelt, dass den Menschen kaum mehr Gelegenheit bleibt, sich untereinander auszutauschen, geschweige denn bei täglichen Begegnungen etwas Besonderes zu erleben. Der Rhythmus und das Tempo im Arbeitsleben werden bestimmt durch Digitalisierung und durch die Computer. Gerne erinnert man sich da an längst vergangene Arbeitstage, die noch gemächlicher und auch menschlicher verliefen als heute.

„bei Hirtze“ – Eine Eichelsächser Kultgaststätte

(veröffentlicht in Oberhessen erzählt 1970er "Reinkommen, essen ist fertig!")

            Es waren die 1970er Jahre. Immer waren wir "bei Hirtze". Sicher ist das so nicht ganz richtig ausgedrückt. Man konnte nicht immer "bei Hirtze" sein. Das ging damals genauso wenig, wie die heutige junge Generation immer "Online" ist. Mit "immer bei Hirtze" will ich ausdrücken, dass "bei Hirtze" die Anlaufstelle der Jugend  Eichelsachsens war. Ansonsten ist es der ganz normale Name einer so genannten „Kult-Gaststätte“, wie sie wohl heute bezeichnet würde. Es gab in Eichelsachsen damals keinen organisierten Jugendclub. Es bemühten sich einige Organisationen, wie die Kirche oder Vereine um die Jugend. Wir Jugendlichen waren im Sportverein oder in der Feuerwehr engagiert. Das Vereinsleben war sehr rege in Eichelsachsen. Es gab immer sehr viele Veranstaltungen und Angebote für die Bevölkerung. Jeder Verein feierte seine eigenen Feste.

Landwirtschaft der 1960er Jahre in Schotten – Eichelsachsen

Dämpfkolonne: Eingestampft und eingesäuert

(veröffentlicht in Oberhessen erzählt 1960er "Mach des Gekreisch aus")

Anders als in der industrialisierten Landwirtschaft heute, bei der man sich auf einzelne Schwerpunkte spezialisiert hat, wurden früher in den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben alle Sparten ausgeführt. Es gab im Vogelsberg, abgesehen von ein paar wenigen größeren Betrieben, meist nur kleine, aber umso arbeitsintensivere landwirtschaftliche Betriebe. Diese wurden mit Milchvieh, Schweinen, Schafen, Hühnern, Gänsen und sonstigem Kleinvieh, bewirtschaftet. Bei uns zu Hause, in Schotten-Eichelsachsen, war das genauso. Ich habe das in den 1960er Jahren auf dem Hof meiner Eltern erleben dürfen. Als heranwachsender Jugendlicher wurde ich täglich am Hof gebraucht.

Stille am Tisch Schlachtfest im Vogelsberg

(veröffentlicht in Oberhessen erzählt 1950er "Des is´kein Fräulein, des is´e aalt´Hex")

Was für eine Freude für einen Vogelsberger Jungen, wenn er eine Einladung zum Schlachtfest bekam. Bedeutete das nicht nur Abwechslung, sondern auch Vorfreude auf besondere Köstlichkeiten, die es nicht jeden Tag zu genießen gab. Nebenbei traf man auf eine ganze Horde von Kindern der dörflichen Nachbarschaft, die auch zum Schlachten geladen war. Das bedeutete kindlichen Spaß an gemeinsam zu bestehenden Abenteuern während des langen Schlachttages.

Die "Lange Nacht" im Eichelbachtal

(veröffentlicht in der Chronik Wingershausen 1016 - 2016)

Die Mädchen buken Kuchen und die Burschen kümmerten sich um die Getränke, obwohl es damals ja nicht viel gab. Es war in der Zeit nach dem Krieg. Damals gingen die Feiern zur Langen Nacht von den Spinnstuben aus. Im Vogelsbergdorf Wingershausen gab es zwei dieser Spinnstuben. Eine Spinnstube war die mit den älteren Jahrgängen der Mädchen, in der zweiten waren die Jüngeren.

Herta Schröder, in Wingershausen aufgewachsen, erzählt uns die Geschichte der Langen Nacht im Eichelbachtal, so wie sie es erlebt hat. Gerade 16 Jahre jung war sie damals.

Die „Wingershäuser Kindfraa“ Emilie Weiland

(veröffentlicht in der Chronik Wingershausen 1016 - 2016)

Emilie Weiland, geb. Rau war die Wingershäuser Kindfrau. So wurden früher die Hebammen genannt. Herta Schröder, die Tochter der „Wingershäuser Kindfraa“, erinnert sich:

Brücken, Stege und Übergänge über den Eichelbach

(veröffentlicht in der Chronik Eichelsdorf von Oliver Lein)

Immer wieder stößt man im Eichelbachtal auf schöne alte Brücken, Stege oder Übergänge. Diesen robusten und historischen Bauwerke, über die man auch heute noch gefahrlos den Vogelsberger Bach überqueren kann, begegnet man oftmals unerwartet, weit ab der heute vielbefahrenen Verkehrsadern. Allen Bauwerken dieser „Vogelsberger Wasserbaukunst“ ist gemeinsam, dass sie aus dem Urstoff des Gebirges, dem blauen Basalt, erbaut wurden. Eine dieser Brücken ist die Fuhrbrücke direkt oberhalb Eichelsdorfs. Andere Brücken wurden als Neubauten notwendig und deshalb gebaut, damit die Verkehrswege optimal angebunden sind. Diese voll auf Funktion ausgelegten Brücken, haben nicht mehr unbedingt die Ausstrahlung wie ihre Vorgänger.

Der Ursprung des Eichelbachs und sein Weg in die Nidda

(veröffentlicht in der Chronik Eichelsdorf von Oliver Lein)

Der Eichelbach ist ein ganz unspektakulärer Bach im Vogelsberg. Doch was wären wir ohne ihn. In der freien Enzyklopädie wird er als gut 18km langer linker bzw. südöstlicher Zufluss der Nidda beschrieben. Der Eichelbach entspringt im Vogelsberg nördlich des Hoherodskopfes und östlich von Schotten Breungeshain, so liest man dort. Er mündet bei Nidda-Eichelsdorf in die Nidda. So kurz, in nur zwei Sätzen, handelt die Enzyklopädie unseren Eichelbach ab.